Die Lumpenfreiheit
An der Universität kriegt man Einiges zu sehen. Vor allem Studenten, die weiblichen inbegriffen. Die Welt des Studenten ist eine sonderbare, eine aus der Jugend herauswachsende und eine der Berufswelt in einer langsamen Neigung sich zustreckend. Es ist, vielleicht etwas drastisch formuliert, die Phase des Menschen, in der er mit Sicherheit noch nicht im Begriff ist zu sterben. Insofern ist es eine letzte Probe von Selbstständigkeit und Pflichterfüllung, die um der nicht ernst zu nehmen gewollten und gemeinten Pflicht willen, mit möglichst viel Tamtam auszugleichen versucht wird. Wie äußert sich also jenes Verhalten? Ganz einfach, indem es sich unterscheidet. Unterscheidungsmöglichkeit bietet die Wahl der Kleidung, die, als solche sie zu bezeichnen, in vielen Fällen an die modischen Grenzen der Erträglichkeit forciert wird. Müsste man mit einigen Stichworten jene Kleidungsmuster umfassen, es ginge schlichtweg nicht: Bunt, grell, schlabbernd, extremste Stilmischung, riesige Brillen und merkwürdige Mützen, Kleidung aus vergangenen Zeiten bis hin zu der konventionnellen Karohemdgemeinde aus dem Bauwesen. Grüße an jene Freunde der ratio!
Die Lumpenfreiheit bezeichnet nichts als die Freiheit, sich zu kleiden wie Herr oder Frau es mag, wichtig ist lediglich die Selbstzufriedenheit, die offenkundig an den Tag, vor allem in die Nacht gelegt wird. Die Spezies Studiosi kennt keine Scham, noch braucht sie sich oder glaubt sie sich an konventionnelle Normen halten zu müssen, es sei denn das jeweilige Examen oder Vorstellungsgespräch zum Nebenjob verlangte es so. Diese eigentlich von Äußerlichkeiten nicht abhängige Selbstzufriedenheit sollte eigentlich als beispielsvoll gelten, würde ihr nicht der Geruch von Unreife und Naivität entgegenstehen, diese Selbsteinschätzung jener, die dem Studentendasein entwichen sind und den „Ernst“ des Lebens kennengelernt haben oder das zumindest glauben, jene die ihren Kopf auf die alltägliche Pflichterfüllung zugeschnitten haben, nicht ohne weggeschnitten zu haben, und gleichzeitig sich in den gesellschaftlichen Mantel Zwangsjacke gehüllt zu haben, ruhigen Gewissens, dass jener sie vor dem Erfrieren aber auch dem Ausbrechen bewahren wird.
Sicherheit – der größte Feind der Freiheit?