Archiv für April 2010

Kurzzeilige Ausschweifung

ich sage dir, dies ist das nervösere Zeitalter,
indem wir Präventivkriege führen und
Sechzehnjährige verzweifelt (wieder) ihre Erstlinge veröffentlichen
es gibt kein Verheimlichen wir sind altreif
und unerfahren gefangen zwischen savoir-vivre
und Dummheit und tragen es lauthals
nach draussen wie Wasser aus dem Keller
vor dem nächsten Regen; hoffentlich
dämmt die Generation nach uns besser
ihre Häuser aus, in dem sie nicht die Herren sind,
sicher vor den Stürmen,,
der brutalen Naturgewalt, und niemals
vorm Menschen, denn wer hat noch
nicht längst von seinen Taten gehört?

Ohne Gewährsmann

Yes die falsche Katze tanzt tatsächlich gut,
sie zwinkert dir aus dem gelben Augenwinkel zu
wie ausgelaugt schwebt ihr Arm in der blutroten
Bewegung ihrer Schulter diese
falsche Marionette, die der
Frühlingstrend aus dem Fenster kotzt
nach diesem fürchterlichen Menschheitstraum
gibt es nur noch den Konflikt,
den Hilfseinsatz, die Friedensmission,
die Demokratisierung, den Wiederaufbau,
den Synonymterrorismus des Krieges
in den Medien, der aufgeplusterte
Stolzvogel auf dem Wappen,
das du hältst gegen den Regen
und das Ende der Zeit.

Mein Tiefpunkt liegt im Kopf:
So hält man kein Gleichgewicht
mit dem Blick überm Horizont (da ist nichts).
So unempfindlich für
das Leben unter dir.

Schneeblind ein paar Tage
und der Führhund der Kindheit
stirbt dir unter der Hand weg du
siehst sein offenes Auge
und die Zunge blass
auf dem Eis sie klebt nicht
fest wie abgestoßen von
der falschen Erde, die zurück=
schmilzt im Frühjahr auf
einen festen Rest bruchstückhaft.

Schneeblind ein paar Tage
du findest nicht die Hände
zum Greifen, zum Wärmen,
zum Halten des Zitterns
deiner Mitte.
Stattdessen erwischst du nur
die schmalen Buchrücken,
die dir aus den Fingern gleiten
und zusammenfallen an ihrer eigenen Last.

In welcher Bahn dreht der Mensch,
der das Universum nur im Innern sieht?
Nicht als Abbild, nicht verzerrt
auf der Oberfläche seiner schwarzen
Kieselpupille? Nicht im grellen Auge
am Himmel? Der nicht leidet,
wenn das Licht ausgeht, urplötzlich
im Winter.

Ich laufe zurück in der Erinnerung,
in die Vorerfahrungssicht des
Fischauges; die Welt ist flach und
ausgebeult unerreichbar für
die greifenden Fingerchen farbige
Flecken in geometrischen Formen
keine Hinterräume mit Uhrwerken,
die kein Mensch versteht, keine
Koffer, die den Besitzer wechseln,
im Schatten der Lichtspielwelt,
nur das Auge das hält diese Form,
diese Einheit, für ein paar Sekunden.

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